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Morgan Philips Global
 
Die Krise als Chance - wir erschaffen uns eine bessere Welt

Die Krise als Chance - wir erschaffen uns eine bessere Welt

Die Welt nach Corona wird eine andere sein, so der o-Ton in einigen Kommentaren und Artikeln diverser Medien.

In einem veränderten Umfeld kommt ein jeder von uns oft auf neue Gedanken. So ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass ich diesen Artikel außerhalb meines gewohnten Arbeitsumfelds, im Garten vom Home Office aus schreibe.

Als Personalberater werde ich in meinem Mikrokosmos oft mit Veränderung konfrontiert, tatsächlich initiiere ich diese sogar häufig.
Per se ist Veränderung nichts Positives oder Negatives, auch wenn der Auslöser durchaus diese Qualität haben kann. Das Virus ist sicherlich einer der negativsten Auslöser für Veränderung, denen wir in jüngster Zeit begegnet sind.Dennoch ist Veränderung vor allem das, was wir als Menschen aus dieser machen. Ein mittlerweile guter Freund hat, aus einem damals missglückten Arbeitsverhältnis, eine erfolgreiche Selbstständigkeit gemacht. Nebenbei fand er durch die Flexibilität sogar noch mehr Zeit für seine zwei Kinder, die ihm vorher verwehrt blieb.
Wir alle kennen solche Beispiele. Nun wurde uns auch diese Veränderung auferlegt, doch was machen wir als Gesellschaft daraus?

Vor einigen Wochen habe ich zu Kollegen gesagt, dass diese Krise das Beste UND das Schlechteste in uns zum Vorschein bringt.
Einerseits gibt es Zeichen großer Solidarität in Form eines unermüdlichen Einsatzes und Zeichen großer Wertschätzung. Gerade für Berufsgruppen, die in der Vergangenheit von allen Seiten zu wenig Aufmerksamkeit erfahren haben, teilweise sogar verbal und physisch angegriffen wurden.
Auf der anderen Seite nehmen wir Berichte über das Horten von Haushaltsgütern und Lebensmitteln wahr, von denen normalerweise für jeden von uns genug da wären. Vorausgesetzt Einzelne würden ihre Bedürfnisse nicht über die Anderer stellen.

Die Ängste dahinter kann ich persönlich nachvollziehen. Ich nehme diese jedoch als Einzelfälle wahr in einer Medienwelt, die sich normalerweise gerne auf das Negative fokussiert. 
Diese Fälle halten mich nicht davon ab zu sagen woran ich aufrichtig glaube:
Wir haben es in der Hand durch diese Veränderung eine noch bessere Welt zu schaffen.
Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass dies gerade schon passiert und jeder von uns gerade Macher und Zeuge davon wird. Es klingt paradox: obwohl räumlich distanziert rücken wir seit Langem wieder näher zusammen 
und tragen unseren Teil dazu bei, da wir uns diese Veränderung in unserem Inneren vielleicht sogar wünschen.

Gerne gebe ich hierzu wieder einmal aus meinem Mikrokosmos ein Beispiel.
Als Dienstleister biete ich Unterstützung und Service in Personalfragen. Vor einigen Monaten führte ich ein Telefonat, ein kurzer Smalltalk mit einer klaren Aussage auf der anderen Seite: Ich habe jetzt keine Zeit, sie wollen mir etwas verkaufen, aufgelegt.
Zugegeben, sachlich nüchtern betrachtet mag da etwas dran sein, Services kosten Geld und wahrscheinlich war der Zeitpunkt ungünstig. In der letzten Woche rufe ich noch einmal an. Ich wollte wissen, wie das Unternehmen sich in der besonderen Zeit schlägt, welche Neuigkeiten und Veränderungen es gibt und was es für die einzelnen Personen bedeutet.
Daraus entwickelte sich, wohlgemerkt mit dem gleichen Gesprächspartner, eine 30 minütige Unterhaltung zwischen zwei Menschen, die sich kennenlernen und die im Gespräch miteinander entdecken, dass sie mehr verbindet als ein mögliches Dienstleistungsverhältnis. Wir ärgerten uns über die gleichen Dinge, teilten unsere Sorgen und Hoffnungen miteinander und lachten über so manche neue Erfahrung in den letzten Wochen.

Die zwischenmenschliche Kommunikation gewinnt wieder an Bedeutung. Aufrichtiges Interesse, welches über den Austausch von Wetterdaten hinaus geht. 
In meinem Beruf begegne ich dieser Veränderung der Werte momentan täglich an verschiedensten Orten und diese aufrichtige Ehrlichkeit gibt mir Hoffnung und bereitet mir Freude. 
Denn das ist der Grund, warum ich mich hierfür entschieden habe: ich will mit meinen Mitmenschen in Kontakt treten, sie verstehen und sie kennenlernen, um sie dann bestmöglich unterstützen zu können.
Dieses aufrichtige Bedürfnis steckt in uns allen und es zeigt sich darin, dass wir gerade an verschiedensten Stellen unter die Arme greifen. Wertvolle, unterstützende Tätigkeiten beim örtlichen Landwirt ergreifen, die wir in unserem Mikrokosmos vor einigen Monaten vielleicht noch als minderwertig erachtet hätten.Spenden für jene in größerer Not, obwohl wir doch in der Vergangenheit zu gerne unsere eigenen Probleme gesehen haben. 
Bei manchem von uns äußert sich das Bedürfnis auch darin, dass wir Oma, Opa, Tante oder Onkel anrufen. Um Ihnen zu sagen: "Wir sind für euch da".

Nach einigen Wochen des Beobachtens hat es in meinen Augen eine beachtliche Verschiebung des Wertesystems gegeben. Dinge, die wir als selbstverständlich wahrgenommen haben, wissen wir wieder bewusst zu schätzen. Dinge, die dem puren Luxus und dem maßlosen Konsum frönen, verlieren an Bedeutung.
Die Gesundheitsförderung, der Umweltschutz und das Wohlbefinden werden langfristig mehr Aufmerksamkeit erfahren und gefördert werden. Es wird akzeptierter zu entschleunigen und auch einmal einen Gang herunterzuschalten, um sich um die Abgehängten zu kümmern.

Es sind besondere Zeiten.
Menschen, die durchaus polarisieren aber auch einem anonymen Hass zum Opfer fallen, beispielsweise weil sie als Mäzen einen "künstlichen" Fußballverein ihrer Heimat sponsoren, könnten plötzlich zum Helden ebenjener Masse werden. Weil sie mit ihrem Engagement und einem möglichen Impfstoff dazu beitragen, dass die Masse ihr größtes Hobby bald wieder genießen kann.
Und all dies weil sie die Prinzipien der Solidarität aber auch der Unterstützung nicht vergessen haben.
Es ist ein Stück weit Ironie aber für mich auch ein starkes Zeichen dieser Zeit, dass Solidarität den Populismus und Hass besiegt. Dies ist aber keine Frage des Einkommens, jeder kann seinen Teil leisten, denn wir haben die Veränderung in unserer Hand.

Das Ende eines alten Tages ist auch immer auch der Beginn eines Neuen. 
Ich bin zuversichtlich, dass wir, mit unserem veränderten Blickwinkel, zum ersten Mal seit Langem bewusst den Sonnenaufgang genießen werden.     

 

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Marcel Staudinger studierte Psychologie in Graz und ist seit 6 Jahren in der Personalberatung mit den Schwerpunkten Medizintechnik, Pharmazie und Gesundheit tätig. In Frankfurt leitet er die Practice Group Life Sciences für MPES in Deutschland.

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